Die Gesichter von HereToHoop​

“Sport makes me happy. When you’re aware of your body, when you feel what you can do — and when you play with others, it’s even better.”

“When people feel safe — they try. That’s when they start to shine.”

NURIA, 16

 

Nuria ist 16 und in Neukölln aufgewachsen – umgeben von Parks, Kanälen und dem ständigen Geräusch der Stadt. Sport hat sie schon immer angezogen. Ob beim Flamenco-Tanzen oder beim Spielen auf den Courts in ihrer Nachbarschaft: Sport ist für sie eine Möglichkeit, den Kopf freizubekommen und sich auszudrücken.

„Es gibt mir so viel – nicht nur Bewegung, sondern auch alles, was in meinem Kopf passiert. Danach fühle ich mich immer besser.“

Dass Basketball irgendwann zu einem wichtigen Teil ihres Lebens werden würde, war fast unvermeidlich. Ihr Vater spielte leidenschaftlich Basketball und verbrachte die meisten Wochenenden auf dem Court. Nuria war immer dabei, half bei Übungen oder warf nebenbei selbst ein paar Körbe. Irgendwann war es nur logisch, dass sie selbst anfing zu spielen.

„Ich war immer von Basketball umgeben. Wir sind zusammen zu Spielen gegangen oder haben einfach draußen in der Nachbarschaft gespielt.“

Schon in der Grundschule trat sie einem Basketballverein bei und merkte schnell, wie sehr sie den Sport liebte. Basketball gab ihr Energie und Fokus – etwas Beständiges zwischen Schule und Zuhause. Mit der Zeit wurde daraus mehr als ein Hobby. Basketball wurde ein Teil ihrer Identität.

Vor zwei Jahren nahm Nuria an einem HereToHoop-Sommercamp teil. Eigentlich sollte es eine Woche voller Training werden. Als die Coaches jedoch merkten, dass die meisten Teilnehmerinnen deutlich jünger waren, fragten sie Nuria, ob sie sie unterstützen könne.

Sie zeigte den Kindern Bewegungen, jubelte bei erfolgreichen Würfen und half bei den Übungen. Am Ende des Camps hatte sich etwas verändert.

„Es ist so schön zu sehen, wie schnell sie lernen. Schon nach zwei Wochen sieht man, dass sich etwas verändert hat. Da habe ich gemerkt, dass ich selbst gerne trainieren und unterrichten möchte.“

Seitdem ist Coaching für sie genauso wichtig geworden wie das eigene Spielen. Sie liebt es, kleine Fortschritte zu beobachten – wenn ein schüchternes Mädchen plötzlich nach vorne kommt oder jemand, der anfangs kaum dribbeln konnte, selbstbewusst einen Korb wirft.

Auch ihr eigenes Selbstbild hat sich durch das Coaching verändert. Die jüngeren Mädchen beobachten alles: wie man spricht, wie man reagiert und wie man mit anderen umgeht. Nuria hat gelernt, dass ein Vorbild zu sein nicht bedeutet, streng oder perfekt zu sein. Es geht um Wertschätzung, Freundlichkeit und Balance.

Auch die Atmosphäre bei HereToHoop lebt von dieser Energie. Die Mädchen kommen aus unterschiedlichen Berliner Bezirken und bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit. Was sie verbindet, ist ihre Begeisterung und Energie – laut, fröhlich und voller Lachen.

„Es ist einfach eine richtig positive Atmosphäre. Alle sind motiviert, freundlich und offen. Und für viele Mädchen ist es das erste Mal, dass sie sich beim Sport wirklich wohlfühlen.“

An ein Sommercamp erinnert sich Nuria besonders gerne: lange, heiße Tage, Spiele, Wasserschlachten und gemeinsames Mittagessen. Die Coaches verstanden sich sofort, und die Kinder wollten gar nicht nach Hause. Danach traten die Hälfte der Gruppe dem Verein bei.

Es fühlte sich an, als würde etwas wachsen.

„Wenn Mädchen einen Ort haben, der ihnen gehört, öffnen sie sich so schnell. Man sieht, wie sie sich verändern.“

Ein Jahr in Valencia hat Nuria außerdem eine neue Perspektive auf Sport gegeben. In Spanien erlebte sie Sport als etwas, das selbstverständlich allen offensteht. In jeder Stadt gab es Sportzentren, die für alle zugänglich waren, mit Angeboten für Mädchen und Jungen.

„In Berlin haben wir einfach nicht genug Hallen. Manchmal müssen wir uns die Hallen teilen, und das ist wirklich schwierig. Es ist frustrierend, weil so viele Mädchen dadurch gar nicht die Chance bekommen.“

Heute besucht Nuria die Oberstufe und denkt darüber nach, was als Nächstes kommt. Vielleicht möchte sie Lehrerin werden, vielleicht in der sozialen Arbeit tätig sein – auf jeden Fall etwas, das Menschen dabei unterstützt, sich weiterzuentwickeln.

Das Coaching hat ihr bereits gezeigt, wie viel man durch Sport bewirken kann. Sie hat Geduld und Empathie gelernt – und die stille Kraft, Raum für andere zu schaffen.

„Basketball macht mich glücklich. Wenn ich anderen helfen kann, dieses Gefühl auch zu erleben, dann möchte ich genau das weitermachen.“