Die Gesichter von HereToHoop​

SARA, 38

 

Sara ist 38 und wurde in Sarajevo geboren, im damaligen Jugoslawien. Mit sechs Jahren zog Sara, kurz nach dem Krieg, nach Berlin – und damit begann eine Kindheit zwischen neuen Sprachen, neuen Schulen und einer neuen Kultur.

„Ich kam direkt in die Grundschule, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Sport und Kunst waren die einzigen Wege, wie ich mich verständigen konnte. So habe ich Kontakt zu anderen gefunden. Ich konnte zeichnen, laufen, spielen – das war meine Sprache.“

In der Grundschule probierte Sara alles aus, was sich anbot – Fußball, Skateboarden, Kampfsport. Alles, was Bewegung und Freiheit bedeutete. Sport gab Sara Selbstvertrauen und ein Gefühl von Kontrolle in einer Zeit, in der vieles andere unsicher war.

Als die Familie später nach Belgrad zog, rückte Basketball schnell in den Mittelpunkt. Serbiens ausgeprägte Basketballkultur bedeutete, dass es überall öffentliche Courts gab. Spielen schuf Gemeinschaft – auch ohne viele Worte.

Sara schloss sich Partizan Belgrad, einem der führenden Vereine des Landes, an und spielte später in der ersten serbischen Frauenliga.

„In Serbien ist Basketball riesig. In jedem Viertel gibt es Körbe. Man kann einfach auftauchen und andere spielen mit. Man muss nicht viel sprechen – man fängt einfach an zu spielen. So findet man Freunde.“

Jahrelang prägte Basketball Saras Identität – bis eine professionelle Karriere irgendwann nicht mehr nachhaltig erschien. Wie viele Frauen im Sport erlebte Sara fehlende Sponsoren und finanzielle Unsicherheit.

„Damals gab es im Frauenbasketball nicht viel Sponsoring. Man wurde pro Spiel bezahlt, und viele Spielerinnen mussten zusätzlich arbeiten. Ich habe Basketball geliebt, aber ich habe auch Design geliebt und wollte mich auf etwas konzentrieren, das mir mehr Freiheit geben konnte.“

Sara besuchte eine Kunst- und Designschule, die kreative Fächer mit Philosophie und Soziologie verband. Es war der erste Ort, an dem Sara sich wirklich frei fühlte – ein Raum, in dem Ideen und nicht nur Fähigkeiten im Mittelpunkt standen.

Diese Erfahrung führte Sara schließlich zurück nach Berlin. Die kreative Energie der Stadt, ihre Offenheit und ihre queere Community zogen Sara an. Nach dem Abschluss baute Sara eine Karriere im Design auf und entdeckte gleichzeitig die eigene Liebe zum Sport wieder.

Über Seitenwechsel, einen der frühesten und einflussreichsten Vereine Deutschlands, der sich ausdrücklich an Frauen, Lesben, trans*, inter* Personen und Mädchen richtete, fand Sara zurück zum Basketball. Was zunächst mit lockeren Spielen begann, wurde schnell zu etwas Größerem – eine Erinnerung daran, wie empowernd es sich anfühlt, gemeinsam Sport zu machen.

Diese Verbindung führte Sara schließlich zu HereToHoop – einem Projekt, das sichere und inklusive Basketballräume für FLINTA*, Frauen und Mädchen* schafft.

Bei HereToHoop begann Sara nicht nur als Spieler*in, sondern auch als Coach. Besonders angesprochen hat Sara, wie offen und niedrigschwellig das Projekt war: keine Vorerfahrung notwendig, kein Druck, sich beweisen zu müssen. Die Community stand im Mittelpunkt, der Sport war das verbindende Element.

Die Anfänge waren nicht immer einfach. Als HereToHoop startete, waren viele öffentliche Courts bereits von Männergruppen besetzt. Es brauchte Zeit und Beharrlichkeit, sich Raum zu schaffen. Doch nach und nach veränderte sich etwas.

„Am Anfang waren die Courts immer voll mit Jungs und Männern. Wir mussten erklären, dass dieser Court für unsere Session reserviert war. In den ersten Wochen hat es manchmal 20 Minuten gedauert, bis der Court frei war. Aber wir sind immer wieder gekommen. Irgendwann waren die Leute daran gewöhnt.“

Aus einer kleinen Gruppe ist inzwischen eine Community von mehr als 200 Menschen entstanden – mit regelmäßigen Trainings und Turnieren.

Sara erlebt immer wieder, wie sehr solche Räume Menschen verändern können. Menschen, die früher am Rand standen und zugeschaut haben, leiten heute Übungen, melden sich für Spiele an oder beginnen selbst zu coachen.

„Sie reisen, lernen neue Menschen kennen und haben Spaß. Das ist das Schönste – zu sehen, wie sie ihr Selbstvertrauen finden.“

Für Sara ist HereToHoop deshalb mehr als Sport. Es geht um Sichtbarkeit, Zugang und Zugehörigkeit.

Öffentliche Räume, in denen FLINTA*-Personen einfach existieren können, ohne sich beobachtet oder fehl am Platz zu fühlen, sind noch immer nicht selbstverständlich. Jede neue Person, die dazukommt, stärkt dieses Gefühl von Gemeinschaft.

Für die Zukunft wünscht sich Sara mehr Investitionen und langfristige Unterstützung für Frauen*- und queeren Sport.

„Es sollte nicht sein, dass professionelle Spielerinnen immer noch Nebenjobs brauchen. Marken können das verändern. Wenn man in Frauen*- und queeren Sport investiert, sieht man echte Veränderungen – bei der Teilhabe, bei der Sichtbarkeit und bei der nächsten Generation.“

Heute verbindet Sara weiterhin Designarbeit und Coaching – eine Kombination, die sowohl die kreative als auch die sportliche Seite lebendig hält.

HereToHoop ist für Sara zu einem der erfüllendsten Teile des eigenen Lebens geworden: ein Ort, an dem Kreativität, Bewegung und gemeinsame Energie zusammenkommen.

Der Wunsch für die Zukunft ist eigentlich ganz einfach: Dass Projekte wie dieses überall entstehen – für jede Person, die irgendwann das Gefühl hatte, Sport sei nicht für sie.

„Basketball hat mir eine Stimme gegeben, als ich selbst keine hatte. Jetzt möchte ich dafür sorgen, dass andere ihre finden können.“

“It’s about creating a safe space where people can try, fail, and grow. That’s what real empowerment looks like.”

“When you’re a FLINTA person on a public court, people stare. You feel like you have to justify being there. Projects like this change that — they make it normal.”